wege erleben

Renate Dyck

Zwei Frauen im Wald – Renate Dyck, ich und der Marder

 

Eine, für uns vielleicht ein klein bisschen peinliche, nichts desto trotz amüsante Anekdo-te möchten wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten. Zugetragen hatte sich das Ganze auf einer Wanderung im letzten Herbst, auf der Renate Dyck und ich eine unse-rer nächtlichen Erkundungstouren durch die Wälder unternahmen.
 
Der nächtliche Wald an sich ist bekanntlich eher spärlich ausgeleuchtet und da wir, wie Teilnehmer unserer Nachtwanderungen sicherlich bestätigen werden, gern auf die Ver-wendung von Taschenlampen verzichten, wenn es die Wegbeschaffenheit zulässt, wa-ren wir in aufmerksamer Stille auf dem dunklen Waldweg unterwegs, die Ohren gespitzt in den Nachtwald hineinhorchend, in der Hoffnung, auf diese Weise auf die Anwesen-heit des ein oder anderen nachtaktiven Waldbewohners aufmerksam zu werden. Wir sollten in dieser Nacht nicht enttäuscht werden.
 
Nach einiger Zeit ruhigen Dahinschlenderns musste ich urplötzlich stocken – Moment, da war doch was. Renate Dyck , um die Bedeutung solch plötzlicher „Mitlaufverweigerun-gen“ meinerseits wissend, hatte ebenfalls gestoppt und flüsterte: „Ist da was?“ Ein Schritt zurück, noch einen – ja, da war es wieder! Es war eindeutig. Der leicht pene-trante Geruch eines Marders trieb in der fast windstillen Nachtluft den Hang zu unserer Linken hinauf auf den Weg. Genau an dieser Stelle. Ich winkte Renate Dyck heran und sie nickte zustimmend als sie ankam. Hier hatten wir etwas entdeckt. In der Hoffnung, dass Tier könne sich in der Nähe aufhalten, so dass wir möglicherweise etwas am dicht bewachsenen Hang unterhalb unseres Weges von ihm hören könnten, blieben wir ge-spannt stehen und lauschten in die Dunkelheit. Im dichten Kraut das links und rechts den Wegrand säumte knisterte der ein oder andere Lufthauch mit den Blättern, hier und da ein leises, verhaltenes Knapsen, in der Ferne schlug ein Hund an, nichts Beson-deres, alles war ruhig. Schade. Ein bisschen enttäuscht waren wir schon, als wir noch einmal näher an den Hang traten um einen letzten Blick hinunter zu werfen, bevor wir weiter gehen.
 
In diesem Moment tobte es im Busch vor uns los als wolle uns ein wild gewordener Kobold an den Hals springen. Es fauchte und knurrte und das Gebüsch bebte, so dass unser erster Reflex in einem sowohl riesigen wie auch eleganten, da wunderbar syn-chronen Satz nach hinten bestand und wir beide einen kurzen Aufschrei des Schreckens nicht zurückhalten konnten. Da wir nun offenbar wieder in angemessenem Abstand zum Urheber dieses Tumults positioniert waren beruhigte sich der Busch vor uns fast augen-blicklich , worauf ich mir ein: „Freundchen“ nicht verkneifen konnte, das eigentlich so unnötig wie ungerechtfertigt war, da wir es immerhin waren, die den armen Kerl durch ihr vorangegangenes, ausgedehntes Lauschen direkt neben seinem kleinen Versteck da-zu verdammt haben eben dort auszuharren, in der Hoffnung, dass wir doch bitte endlich weiter gehen würden. Daher taten wir ihm dann auch sofort den Gefallen, dass Feld zu räumen, wobei selbstredend den Rest des Weges an Schweigen gar nicht mehr zu den-ken war, denn soviel Aufregung muss natürlich durch ausreichend Konversation, die Her-ren mögen nun denken: typisch Frau, verarbeitet werden.
 
Was den Marder veranlasst haben mag in dem Gebüsch direkt am Wegrand zu verharren obwohl er uns mit Sicherheit schon lange vorher bemerkt haben wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Eigentlich denke ich nicht, dass es uns gelungen ist so leise durch den Wald zu schleichen, dass selbst er uns erst bemerkt hat, als wir praktisch neben ihm standen und es für eine Flucht zu spät war.
 
Zumindest hat uns unsere Nase nicht betrogen. Der Marder war sogar näher als wir dachten und wir sind um ein spannendes Erlebnis reicher, dass wir nun mit Ihnen teilen möchten.
 
Nadine Franzmeyer

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